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Dieses Gleichnis, diese Bildrede vom Salz der Erde, steht im

Matthäusevangelium und ist Teil der Bergpredigt. Das Gleichnis schließt

direkt an die Seligpreisungen Jesu an. Die Jünger Jesu, die immer

stellvertretend für die Gemeinde stehen, werden mit Salz verglichen, Jesus sagt: Salz ist wertvoll und wichtig - und Ihr Jünger seid das Salz! In einem zweiten Teil folgt dann ein Vergleich der Jünger mit dem Licht. „Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus. Beide Gleichnisse sind ganz ähnlich: Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt.

Seit Jahrhunderten ist es die Aufgabe des Predigers, Jesu Botschaft ins Hier und Jetzt zu transportieren und Jesu Botschaft auszulegen, zu aktualsieren.

Was also will Jesus damit sagen? Was will Jesus uns sagen?

Jesus will die Aufgabe der Jüngerinnen und Jünger in der Welt um-schreiben. So wie Salz eine Suppe erst zu einer richtig guten Suppe macht oder zu einem schmackhaften Gericht Salz einfach mit dazu gehört, so geht es den Christinnen und Christen in der Nachfolge Jesu in der Welt. Unsere Aufgabe ist es, so zu reden und zu handeln, dass es auch die in der Welt erreicht, die

 1 Festpredigt zu Mt 5, 13-16, gehalten am 22.9.2019 anlässlich des 61. Erzinger Weinfestes in Klettgau-Erzingen im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes auf dem Festzelt, 10.00 Uhr.

Die Lesung Mt 5,13-16 erfolgte durch Klettgaus katholischen Pfarrer Thomas Mitzkus direkt vor der Predigt.

Probleme mit der Botschaft Jesu haben. Was heißt das - Probleme mit der Botschaft Jesu?

Nun, wir brauchen gar nicht so weit zu gehen. Werfen wir einen Blick in die gegenwärtige Politik.

Während Nächstenliebe für andere anscheinend nicht so selbstver-ständlich zu scheint sein wie für uns, sind wir Evangelische und wir Katholiken uns darin einig: Menschen in Not muss geholfen werden! Andern zu helfen ist ein Gebot der Nächstenliebe und der Barmherzig-keit, vor Ort und anderswo.

Während andere aufs Nationale setzen und damit Gott zu einem nationalen Götzen machen, pflegen wir Evangelische und wir Katholiken die Ökumene, auch die internationale Ökumene. Wir sind weltweit Kirche! Die Tatsache, dass die Gemeinde Jesu Christi weltweit und nicht auf den nationalen Staat beschränkt ist, scheint für andere anscheinend nicht so selbstverständlich zu sein wie für uns: Kirche Jesu Christi ist weltweite Kirche!

Während andere mit Halbwahrheiten, Unterstellungen und Diffamier-ungen arbeiten, sind wir Evangelische und wir Katholiken uns darin einig, mit nachprüfbaren Fakten zu argumentieren. Gemeinsam halten wir fest: In unserem Staat Bundesrepublik Deutschland gibt es keine Zensur. Die Presse lügt nicht, sondern berichtet nach bestem Wissen und Gewissen, und darüber sind wir froh! Genauso froh sind wir darüber, dass wir in einer Demokratie leben, in der es Vielfalt gibt statt Einfalt!

„Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt!“, ruft uns Jesus aus einer Entfernung von 2000 Jahren zu. Um Salz und Licht zu sein, ist es unsere Aufgabe, das Evangelium zu verkünden allem Volk. 2 Und dazu gehört, dass wir hin- und wieder auch eine klare Meinung vertreten, einen klaren Standpunkt haben. Etwa, wenn es ums Klima geht. Die Demonstrationen vorgestern haben gezeigt, dass das Thema Klima viele Menschen bewegt.3 Die Evangelische Landeskirche in Baden weist seit vielen Jahren immer wieder darauf hin: „Die Bewahrung der Schöpfung gehört zu unserem christlichen Grundverständnis.“ Churches for Future - Kirche für die Zukunft!

Klima- und Umweltschutz dürfen uns nicht gleich bleiben. Schon 2003, also vor sechzehn Jahren, hat die Landessynode unserer evangelischen Kirche in Baden beschlossen, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40% zu senken. Mit verschiedenen Maßnahmen haben wir das Ziel fast erreicht: Energiechecks,

2 Vgl. Barmer Theologische Erklärung, These 6, online zugänglich unter: https://www.ekd.de/

Barmer-Theologische-Erklarung-11292.htm (aufgerufen am 21.9.2019)

3 https://www.ekiba.de/html/content/allefuersklima.html?&t=8ka623k60pr16bqgdp3kd8pies

(aufgerufen am 21.9.2019)

Heizungsoptimierungen, großflächiger Einsatz von Wärmepumpen, die

Einrichtung von Holzpelletanlagen und Pilotprojekte im Bereich der

Photovoltaik gehören dazu. Wir begegnen dem 4 Klimawandel durch

entschlossenes Handeln und übernehmen als Kirche Verantwortung. In der katholischen Kirche sieht es übrigens ganz ähnlich aus: Die Landeskirche

und das Erzbistum Freiburg arbeiten in Sachen Ökologie seit vielen, vielen Jahren eng zusammen. Ich erinnere beispielsweise an die KSE, ein nicht profitorientiertes kirchliches Energieversorungsunternehmen. Die Diözesen Rottenburg und Freiburg und die evangelischen Landeskirchen Baden und Württemberg haben es 2009 gemeinsam gegründet. Es bezieht seine Energie aus dem Kraftwerk Greifenstein, einem Laufwasserkraftwerk an der Donau.

Liebe Festgemeinde! „Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt!“

Wir katholischen und evangelischen Christinnen und Christen reden nicht nur über den lieben Gott, sondern wir handeln auch entsprechend! Überzeugung statt Zwang ist unsere gemeinsame Devise. Ziel ist, dass jede und jeder von uns sich freiwillig am Energie- und Umweltschutz beteiligt, jede und jeder nach ihrem und seinem ganz persönlichen Spielraum. Wie gut unsere ökumenische Zusammenarbeit gerade beim Umweltschutz ist, zeigt der Besuch einer Delegation des Mailänder Christlichen Rates der Kirchen in der kommenden Woche in Freiburg. Da geht es um einen operativen Austausch mit dem Büro für Umwelt und Energie im evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe und der Diözesanstelle für Umwelt, Energie und Arbeitsschutz im

Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg. Unsere italienischen Freunde

informieren sich nächste Woche über Klimaschutzprojekte, die das Erzbistum und die Evangelische Landeskirche entwickelt haben: etwa die "Energie- Offensive" der Erzdiözese5, der "Grüne Gockel" der Landeskirche, das ökumenische Bündnis für Klimagerechtigkeit und die gemeinsame Initiative zur nachhaltigen Beschaffung „wir-kaufen-anders“. „Churches for Future -

Kirchen für die Zukunft!“ Längst haben wir in der Kirche auf unsere

Überlegungen Taten folgen lassen und haben Verantwortung übernommen, getreu dem Auftrag Jesu: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!“

4 h t t p s : / / w w w . e k i b a . d e / h t m l / c o n t e n t / u m w e l t _ e n e r g i e _ b u e . h t m l ?

&t=8ka623k60pr16bqgdp3kd8pies (aufgerufen am 21.9.2019)

5 h t t p s : / / w w w. e b f r . d e / h t m l / c o n t e n t / s c h o e p f u n g _ u m w e l t 5 1 6 5 . h t m l ?

&t=2d2pvth59rm6i0i5ujvra8vak1 (aufgerufen am 21.9.2019)

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Lieber Thomas! Wie ich Dir gestern schon verraten 6 habe, komme ich aus einer Stadt, die durch den Salzhandel im vorletzten Jahrhundert zu

Wohlstand gelangt ist. Im Eschershausen im Weserbergland bin ich

aufgewachsen. Heute gibt es dort zwar keinen blühenden Salzhandel mehr, die Gegend ist überalter. Aber ich habe für Dich heute trotzdem einen Beutel Salz dabei. Es ist Gewürzsalz von der französischen Insel Ile d` Oléron. Sie liegt ganz im Westen Frankreichs. Ich bin dort vor zwei Wochen im Urlaub gewesen und habe das Salz dort gekauft habe. Ich möchte ich Dir dieses Salz als Erinnerung an diesen ökumenischen Gottesdienst schenken. Ich weiß, dass selbst katholische Priester hin- und wieder kochen müssen, um nicht zu verhungern. Da dachte ich mir ganz praktisch, dass wir Evangelischen ein bisschen Salz zu Eurem Essen beisteuern können. Das gibt dann die nötige evangelische Würze! [Heiterkeit in der Gemeinde] Ich danke Dir an dieser Stelle sehr herzlich für die vielen ökumenischen Begegnungen und Deine ökumenische Offenheit in großer Freundlichkeit in den letzten zwölf Jahren und ich wünsche Dir namens der Evangelischen Kirchengemeinde Klettgau alles Gute für Deinen weiteren Lebensweg. Aber wir wollen Deine kommende Verabschiedung nicht vorwegnehmen, Du bleibst uns ja noch ein bisschen erhalten. Noch ist es nicht so weit! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

6 Gemeint ist der Priester Thomas Mitzkus, Leiter der Seelsorgeeinheit Klettgau-Wutöschingen,

der nach zwölf Jahren zum Oktober 2019 an den Bodensee in die Seelsorgeeinheit Konstanz-

Petershausen wechselt, vgl. https://www.suedkurier.de/region/hochrhein/klettgau/Pfarrer-

Thomas-Mitzkus-hat-viele-schoene-Erinnerungen-im-Umzugsgepaeck;art372608,10178161

(aufgerufen am 21.9.2019)